Hotel Palindrone in Catania: Am Christ-Himmelfahrts-Wochenende spielte die Band im Rahmen der Festivals “Classica & Dintorni” sowie “Catania Folk Festival”. Auftrittsort war das Castello Ursino, eine typische Burganlage aus der Zeit des Stauferkaisers Friedrich II. – weit weniger elegant als das bekannte Castel del Monte in Apulien, eher marzialisch-respekteinflößend im Zentrum der Stadt gelegen. Die schroffen Außenmauern und Türme umhüllen allerdings Innenräume von höchster Eleganz und Leichtigkeit. Und in einem dieser Säle spielte Hotel Palindrone. Castel Ursino ist nicht nur Veranstaltungsort für Konzerte und Symposien, sondern es beherbergt auch das Städtische Museum mit einer feinen Sammlung archeologischer Funde aus der Region. Hervorzuheben wäre die antiken griechischen Vasen.

Catania – wie beschreibt man eine Stadt, die bei genauem Hinsehen äußerst zwiespältige Gefühle auslöst? In solchen Fällen greifen Reisejournalisten gerne zum Schlagwort “Stadt der Gegensätze” oder “der Kontraste” - oder “der Widersprüche”. Solche Etiketten treffen bei allen möglichen Städten Europas zu, in denen seit Jahrhunderten kulturelle und soziale Vielfalt das Leben bestimmen. Oder in denen sich auf Grund verschiedenster Faktoren ganz spezielle Formen des Zusammenlebens entwickelt haben, die Außenstehende faszinieren, aber auch irritieren. Städte der Kontraste wären also Metropolen wie Lissabon, Barcelona, London, Amsterdam, Berlin, Kopenhagen oder Wien. Aber auch kleinere urbane Zentren wie Perugia, Santiago de Compostela, Dijon oder Graz. Kontraste und Widersprüche finden sich überall. Selbst im scheinbar so homogen auf Festspieltourismus getrimmten Salzburg.
Was ist aber anders an Catania? Oder an Palermo, Taranto, Bari, Neapel, …? So mancher Reisender wird sagen, gerade in diesen Städten des Südens findet man noch authentische Italianità. Hier würde man noch auf jene Bilder stoßen, die in den soliden und gepflegten Regionen weiter nördlich (Toskana, Umbrien, Marken, Veneto, Friaul, etc) fehlen: Pittoreske Architektur, brodelndes Straßenleben, ungekünstelte Lebensfreude, Improvisationstalent in allen Lebensbereichen. Hier, im Mezzogiorno, ließe sich noch das Italien Goethes aufspüren….
Vielleicht führt uns das Wörtchen “pittoresk” weiter. Wann immer abgewohnte Substandardviertel mit liebevoll-anarchischer Balkongestaltung aufwarten, gar mit zum Trocknen aufgehängter Wäsche (Lieblingsphotomotiv: Riesenbettzeug und überdimensionierte Damenunterwäsche) greift man zum Motto “pittoresk” – ein Schlagwort des 18. Jahrhunderts, als hunderte europäische Dichter und Maler auf die Apenninhalbinsel strömten. Entsprechende Gemälde sind auch im Wiener Kunsthistorischen Museum zu bewundern.
Vielleicht könnte man aber solche Stadtviertel auch anders deuten: Wohngebiete, in denen hart um ihre Existenz schuftende Menschen versuchen, mit Würde zu leben. Menschen, die oft nur die Wahl zwischen Arbeitslosigkeit und Mafia haben. Menschen, die tatsächlich ungeheure Energie und Lebensfreude versprühen – gleichzeitig aber auch resignativ und verzweifelt wirken. “Das ist eine schwierige Stadt zum Leben …” hört man immer wieder. In Catania, oder Palermo, oder Neapel, oder Taranto, …
Die im Zentrum omnipräsenten Sicherheitskräfte symbolisieren besonders anschaulich das Dilemma einer “schwierigen Stadt”: Je zwei Carabinieri und zwei Soldaten stolzieren über die prachtvolle Via Etnea - um dann und wann einen afrikanischen Straßenhändler zu verscheuchen. Oder Kaffee zu trinken und zu plaudern. Vielleicht nehmen sie auch den einen oder anderen Taschendieb fest. Präsenz zeigen, heißt das Motto dieses Sicherheitskonzepts der italienischen Regierung. Den Menschen Sicherheit vermitteln. Wo man aber die Exekutive wirklich brauchen würde, sieht man keine Uniform. Und prekäre Stadtviertel gibt es in Catania viele. 
Aber zum Trost: Wenn von italienischer Küche die Rede ist, schwärmen Gastrosophen üblicherweise vom Essen in allen möglichen Regionen – Sizilien ist selten dabei, und schon gar nicht Catania. Dabei findet man in dieser Stadt die vielleicht variantenreichste Küche Italiens. Dazu später mehr …..