Musiker quer durch die Jahrhunderte (4): Santiago de Compostela

Jun 19 2010

Gaitero in Santiago de Compostela. In meinem Artikel über das Museo do Pobo Galego schrieb ich über den galizischen Dudelsack, die Gaita.  Das wichtigste Instrument der traditionellen Volksmusik, aber auch des Neuen Folk dieser Region. Und so gehört er neben den Kirchenglocken und dem Stimmgewirr der Passanten (das historische Zentrum  ist übrigens weitgehend autofrei) zum Klangbild der Stadt. Aus fast jedem Souvenirgeschäft tönen die neuesten CDs von Na Lúa, Cristina Pato, Berrogüetto, Milladoiro, Leilía, Susana Seivane oder Xosé Manuel Budino. Dazu kommen die Straßenmusiker. Ihr  bevorzugter Platz ist der Durchgang von der Praza do Obradoiro zur Praza da Immaculada, gleich neben der Kathedrale.

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Catania

Jun 19 2010

Hotel Palindrone in Catania: Am Christ-Himmelfahrts-Wochenende spielte die Band im Rahmen der Festivals “Classica & Dintorni” sowie “Catania Folk Festival”. Auftrittsort war das Castello Ursino, eine typische Burganlage aus der Zeit des Stauferkaisers Friedrich II. – weit weniger elegant als das bekannte Castel del Monte in Apulien,  eher marzialisch-respekteinflößend im Zentrum der Stadt gelegen. Die  schroffen Außenmauern und Türme  umhüllen allerdings Innenräume von höchster Eleganz und Leichtigkeit. Und in einem dieser Säle spielte Hotel Palindrone. Castel Ursino ist nicht nur Veranstaltungsort für Konzerte und Symposien, sondern es beherbergt auch das Städtische Museum mit einer  feinen Sammlung archeologischer Funde aus der Region. Hervorzuheben wäre die antiken griechischen Vasen.

Catania – wie beschreibt man eine Stadt, die bei genauem Hinsehen äußerst zwiespältige Gefühle auslöst? In solchen Fällen greifen Reisejournalisten gerne zum Schlagwort “Stadt der Gegensätze” oder “der Kontraste” -  oder “der Widersprüche”. Solche Etiketten treffen bei allen möglichen  Städten Europas zu, in denen seit  Jahrhunderten kulturelle und soziale Vielfalt das Leben bestimmen. Oder in denen sich auf Grund verschiedenster Faktoren ganz spezielle Formen des Zusammenlebens entwickelt haben, die Außenstehende faszinieren, aber auch irritieren. Städte der Kontraste  wären also Metropolen wie Lissabon, Barcelona, London, Amsterdam,  Berlin, Kopenhagen oder Wien. Aber auch kleinere urbane Zentren wie Perugia, Santiago de Compostela, Dijon oder Graz. Kontraste und Widersprüche finden sich überall. Selbst im scheinbar so homogen auf Festspieltourismus getrimmten Salzburg.

Was ist aber anders an Catania? Oder an Palermo, Taranto, Bari, Neapel, …? So mancher Reisender wird sagen, gerade in diesen Städten des Südens findet man noch authentische Italianità. Hier würde man noch auf  jene Bilder stoßen, die in den soliden und gepflegten Regionen weiter nördlich (Toskana, Umbrien, Marken, Veneto, Friaul, etc) fehlen: Pittoreske Architektur, brodelndes Straßenleben, ungekünstelte Lebensfreude,  Improvisationstalent in allen Lebensbereichen. Hier, im Mezzogiorno, ließe sich noch das Italien Goethes aufspüren….

Vielleicht führt uns das Wörtchen “pittoresk” weiter. Wann immer abgewohnte Substandardviertel mit liebevoll-anarchischer Balkongestaltung aufwarten, gar mit zum Trocknen aufgehängter Wäsche (Lieblingsphotomotiv: Riesenbettzeug und überdimensionierte  Damenunterwäsche) greift man zum Motto “pittoresk” – ein Schlagwort des 18. Jahrhunderts, als hunderte europäische Dichter und Maler auf die Apenninhalbinsel strömten. Entsprechende Gemälde sind auch im Wiener Kunsthistorischen Museum zu bewundern.

Vielleicht könnte man aber solche Stadtviertel auch anders deuten: Wohngebiete, in denen hart um ihre Existenz schuftende Menschen versuchen, mit Würde zu leben. Menschen, die oft nur die Wahl zwischen Arbeitslosigkeit und Mafia haben. Menschen, die tatsächlich ungeheure Energie und Lebensfreude versprühen – gleichzeitig aber auch resignativ und verzweifelt wirken. “Das ist eine schwierige Stadt zum Leben …” hört man immer wieder. In Catania, oder Palermo, oder Neapel, oder Taranto, …

Die im Zentrum omnipräsenten Sicherheitskräfte symbolisieren besonders anschaulich das Dilemma einer “schwierigen Stadt”: Je zwei Carabinieri und zwei Soldaten stolzieren über die prachtvolle Via Etnea - um dann und wann einen afrikanischen Straßenhändler zu verscheuchen. Oder Kaffee zu trinken und zu plaudern. Vielleicht nehmen sie auch den einen oder anderen Taschendieb fest. Präsenz zeigen, heißt das Motto dieses Sicherheitskonzepts der italienischen Regierung.  Den Menschen Sicherheit vermitteln. Wo man aber die Exekutive wirklich brauchen würde, sieht man  keine Uniform. Und prekäre Stadtviertel gibt es in Catania viele.  

Aber zum Trost: Wenn von italienischer Küche die Rede ist, schwärmen Gastrosophen üblicherweise vom Essen in allen möglichen Regionen – Sizilien ist selten dabei,  und schon gar nicht  Catania. Dabei findet man in dieser Stadt die vielleicht variantenreichste Küche Italiens. Dazu später mehr …..

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Musiker quer durch die Jahrhunderte (3): Adolphe Sax

Mai 05 2010

Dinant in Belgien: Schönes Städtchen an der Maas.  Geburtsort von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxophons.

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Museo do Pobo Galego

Apr 28 2010

Santiago de Compostela – Museum des Galicischen Volkes. Am Rande der Altstadt und gleich neben dem Centro Galego de Arte Contemporánea gelegen.  Hauptaugenmerk gilt dem Alltagsleben: Arbeit, Wohnen, Ernährung, Kultur. Besonders empfehlenswert die Sammlung galizischer Musikinstrumente.

Eine raffinierte dreifache Wendeltreppe verbindet die Stockwerke des Museums. Auf den ersten Blick verwirrend – in Wirklichkeit ein logistisches und ästhetisches Meisterwerk.

Natürlich spielt im galicischen Volkskundemuseum die Fischerei eine große Rolle. Ob Artenbestand, Fangmethoden oder  Bootstechnik – sowohl die Erklärungen als auch die ausgestellten Objekte sind ein Musterbeispiel gelungener Museumsdidaktik.

Das gilt auch für die Musikabteilung. Ein Mekka für Folk- und Weltmusik-Freunde. Im Zentrum der Sammlung steht der nordwest-spanische Dudelsack, die Gaita. Mittlerweile das Symbol der neuen Zivilgesellschaft Galiciens: Die überparteiliche Protestbewegung “Nunca Mais” (“Nie wieder”), gegründet anlässlich des desaströsen Krisenmanagements nach der Ölpest des Jahres 2002, verwendet u.a. auch die Gaita als Logo. 

Ob Eisenverarbeitung, ländliche Wohnarchtiktur, Textilproduktion, Keramiktechniken  und viel mehr – dieses Museum erscheint mir als Musterbeispiel wie man die  Geschichte des Alltags veranschaulichen kann.

Auf dem Weg ins Zentrum könnten Sie auf folgende Sammlung stoßen …..

Kein Hauspantoffel-Museum, sondern ein hochspezialisierter Schuhladen. Schlapfen, Slippers, Patschen – die wohl kompletteste Sammlung häuslichen Schuhwerks auf so engem Raum.

Das macht auch den Reiz Santiagos aus. In der Altstadt finden sich neben schicken Geschäften zahllose Kleinstläden mit Lebensmitteln, Nähzubehör, Kleidung, Schuhen, Haushaltsartikeln, etc. Vitale Nahversorgung einer Stadt, deren  Zentrum nicht zur  Kulisse für Touristen  und Pilger verkommen ist. Das gleiche gilt für die Tavernen, Restaurants und Cafès: Touristenfallen gibt es in dieser ess- und trinkfreudigen Stadt nur wenige. Aber davon demnächst ….

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Musiker quer durch die Jahrhunderte (2): Florenz

Apr 27 2010

Eine eher unbeachtete Statue in den Boboli Gärten von Florenz: Die Dame spielt wahrscheinlich eine antike Kithara. Es könnte sich aber auch um die Darstellung eines Epigonions oder eines Psalterions handeln.

Die meisten Besucher genießen im Park hinter dem Palazzo Pitti den Ausblick über die Stadt oder ruhen sich irgendwo im Schatten aus. Die zahlreichen Statuen finden wenig Aufmerksamkeit. Vielleicht sollte man sich jedoch  in Florenz   stärker auf die unscheinbaren Nebensächlichkeiten einlassen – das könnte eine gute Strategie gegen das häufig beschriebene Stendhal Syndrom sein, das angeblich viele Italienreisende befällt.

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Musiker quer durch die Jahrhunderte (1): Spilimbergo

Apr 26 2010

Viele Musikfreunde  kennen das  ”Folkest”  in Friaul Julisch Venetien. Zentrum des Festivals ist Spilimbergo. Was viele nicht wissen: Das Relief des Südportals zeigt   zwei  Engel an Dudelsack  und – wahrscheinlich – Cister, die Vorläuferin der Mandola und ähnlicher Zupfinstrumente.

Santa Maria Maggiore stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Außen trutzig und elegant zugleich, innen  mit feiner Malerei geschmückt: In der linken Apsis sowie im Chor Fresken aus dem 14. Jahrhundert, Gemälde des Renaissancemalers Giovanni da Pordenone flankieren die Orgel.

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